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EZB: Banker stressresistent wie nie

Chillen in 200 m Höhe

Um 12 Uhr MEZ will die Europäische Zentralbank die Ergebnisse ihres kürzlich durchgeführten Stresstests öffentlich bekanntgeben. Die Ernste Allgemeine Zeitung hat bereits vorab mit einem Insider gesprochen.

Mario D. (Name von der Redaktion geändert) ist eigentlich nur ein ganz normaler Mensch der arbeitenden Bevölkerung, wie die meisten von uns. Er geht morgens um 9 zur Arbeit und kommt meistens abends gegen 23 Uhr nach Hause. Er hat demnach viel Freizeit und führt ein unbeschwertes Leben. Die letzten Wochen waren für Mario D. aber voller Arbeit. Er hat die Bankhäuser Europas zusammen mit seinen Kollegen jeweils für mehrere Tage unter die Lupe genommen.

Deutsche BankDabei wurde ein für alle gleiches Stress-Szenario durchgespielt. Angefangen habe es stets damit, dass man die Mitarbeiter ununterbrochen vollgequasselt habe. Die meisten seien hierbei bereitwillig ins Gespräch eingestiegen. Schließlich „könne man ja nicht den ganzen Tag arbeiten“. Andere dagegen hätten ihn schlicht ignoriert. Er vermutet aber, dass einige ihn gar nicht richtig verstanden haben. Der Vorstandvorsitzende einer Bank, die er nicht nennen will, deren blaue Glasfassade ihm aber sehr imponiert habe, habe ihm nur in gebrochenem Deutsch Antworten auf seine Fragen geben können.

„Er war allerdings die ganze Zeit vollkommen entspannt. Als ich ihn fragte, wieso das denn so sei, erwiderte er: ‚Der Jürgen macht das schon. Ich sehe halt besser aus. Deswegen braucht man mich. Und wenn alle Stricke reißen, nehmen wir einfach ein paar Hypotheken auf und geben ein paar – wie immer wertlose – Anleihen aus.’“

Commerzbank Tower

Dieses Bild steht unter der GNU Free Documentation License

Ein Mitarbeiter einer anderen Bank meinte laut Mario D., es könne schon ‚mal stressig werden, aber dann werde kollektiv ordentlich einer durchgezogen, dann sei man schon auf der Höhe. Dieser erfreute sich außerdem offenbar sehr darüber, dass man ja den Größten ganz Deutschlands habe. So könne man noch besser auf alle anderen herab blicken.

Durch die Bank scheinen auch Gesellschaftsspiele beliebte Mittel zur Stressbewältigung zu sein. Manchmal spiele man Mau-Mau, manchmal ein bisschen am LIBOR (hier spiele man nicht in sondern mit der Gesellschaft) herum, so wie man eben Lust habe. Auch sei es eine willkommene Abwechslung sich gemeinsam neben dem Finanz- ab und zu im ältesten Gewerbe der Welt zu betätigen.

In einer zweiten Stufe habe man den Banken angedroht, ihnen sämtliches Barvermögen zu entziehen. Dies sei aber kein adäquater Stressfaktor gewesen, da nahezu alle Banken ohnehin über keines verfügten. Und wenn man zu irgendwelchen Strafen verurteilt werde, mache das ja nichts, weil man ja eh nichts habe.

Auch selbst angelegte Gärten in 200 m Höhe – ob dort Cannabis für den Eigengebrauch angebaut werde, wisse er nicht – seien sicherlich ein entspannender Faktor.

„So war es mir letztlich in jedem Fall nur möglich, den Bankern das Zertifikat stressfrei zu verleihen.“ Aber Zertifikate seien ja bekanntlich seit Lehman-Brothers auch nicht mehr viel wert.

Dieses Bild steht unter der CC BY-SA 3.0 Lizenz

Die EZB ist im Frankfurter Bankenviertel mittlerweile nicht mehr erwünscht. Sie hat sich wegen verstärkten Mobbings der Sitznachbarn einen Platz am anderen Ufer gesichert. Dort am anderen Ufer fühle er sich mächtig wohl, so Mario D. Auch wenn man dort etwas in Schieflage geraten sei, sei man zu neuer Größe herangewachsen.

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Christian Küchler
Über Christian Küchler

Christian Küchler ist Gründer der Ernsten Allgemeinen Zeitung und momentan alleiniger Betreiber. Kontakt: Webseite | Weitere Artikel

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