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Die Firma - Ernste Allgemeine Zeitung
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Die Firma

Vergessen Sie das bloß nie wieder!

Woran denken Sie bei dem Wort „Firma“?

Bestimmt an Tom Cruise als jungen Anwalt im Film von Sydney Pollack, beruhend auf John Grishams Roman. Oder doch an einen schlichten Italiener mittleren Alters mit Anzug und Sonnenbrille, der von den übrigen „Familienmitgliedern“ „Pate“ genannt wird?

Im Ernst: Wahrscheinlich fallen Ihnen Kombinationen wie „Die Firma Siemens“ oder „Die ganzen Firmen ziehen uns das Geld aus der Tasche.“ oder „Die Firma, in der ich arbeite, sollte ‚mal mehr für die Arbeitnehmer tun.“ ein.

Achtung: All diese Formulierungen sind falsch!

Zwar ist es ganz landläufiger Gebrauch in all den genannten Fällen von einer „Firma“ zu sprechen und – das muss man auf erschreckende Weise feststellen – wohl auch die Mehrheit der Juristen verwendet den Begriff falsch, obwohl sie es besser wissen sollte, doch ist die rechtliche Definition eine andere.

Sie findet sich in § 17 Abs. 1 des Handelsgesetzbuches (HGB). Danach ist die Firma eines Kaufmannes „der Name, unter dem er seine Geschäfte betreibt und die Unterschrift abgibt. Was für den Einzelkaufmann etwas gekünstelt wirkt, ist bei Gesellschaften (nicht etwa Hochzeitsgesellschaften oder der deutschen Gesellschaft, sondern der Gesellschaft im Rechtssinne) besser zu verstehen. Nehmen wir eine Aktiengesellschaft. Diese ist ebenfalls Kaufmann (sog. Formkaufmann – stören Sie sich hier nicht an dem Begriff „mann“). Sie allerdings hat – im Gegensatz zum Einzelkaufmann – nicht schon einen Namen, wie ihn der Einzelkaufmann als natürliche Person hat. Sie muss sich einen solchen geben, die sog. Firma.

So ist Firma der Deutsche Bank AG „Deutsche Bank„. „Die Firma Deutsche Bank“ zu sagen, ist also in fast jedem Fall unrichtig, weil nicht der Name an sich gemeint ist (Dies könnte z.B. der Fall sein, wenn es darum geht, ob die Deutsche Bank AG sich umbenennen soll.), sondern regelmäßig etwas ganz anderes.

Gemeint ist – bleiben wir einmal bei den Gesellschaften und lassen den Einzelkaufmann außen vor – eine Gesellschaft bzw. das von ihr betriebene Unternehmen. Um nicht noch mehr Verwirrung zu stiften, seien diese beiden Begriffe nur kurz erklärt. Ihre Unterscheidung wird selbst vom Gesetz bzw. der juristischen Literatur nicht folgerichtig durchgehalten („Obergesellschaft“, aber auch „herrschendes Unternehmen“):

Eine Gesellschaft ist – im Falle einer Kapitalgesellschaft, z.B. AG – eine juristische Person. Sie ist ein rechtliches Gebilde, das sozusagen als Gerüst für u.A. die dort verfassten Mitglieder, das eigene Vermögen oder das Auftreten im Rechtsverkehr angesehen werden kann. So ist die o.g. Deutsche Bank AG eine Gesellschaft. Würde man allerdings sagen: „Die Deutsche Bank AG wird verkauft / ist X Euro wert.„, so wäre dies wiederum nicht ganz richtig. Die Deutsche Bank AG kann nicht verkauft werden. Ihr Vermögen (auch Ihr Unternehmen, dazu sogleich) können verkauft werden (sog. Asset Deal). Daneben können aber auch die Anteile an ihr verkauft werden (sog. Share Deal). Beides entspricht faktisch dem, was man als Verkauf bezeichnen würde. Rechtlich wird aber eben gerade nicht eine Gesellschaft verkauft.

Unternehmen ist dagegen – so würde ich es sehen, jedoch keine Gewähr dafür geben – die Gesamtheit aller aktiven Vermögenswerte der Gesellschaft, also alles, was der Gesellschaft „gehört“. Dazu gehören – für die, die mit Bilanzierung o.Ä. nichts am Hut haben – z.B. Bargeld, Forderungen, Lizenzen, Patente, Grundstücke (mit Gebäuden) etc. Die Deutsche Bank AG kann also sehr wohl (unter den aktienrechtlichen bzw. kapitalmarktrechtlichen Voraussetzungen) ihr ganzes Vermögen, mithin ihr Unternehmen an eine andere Gesellschaft übertragen. Wenn wir den Beispiel eines Verkaufs der Vermögenswerte im Rahmen eines Share Deals nehmen, so gelangt dann stattdessen Bargeld in das Aktivvermögen der Deutschen Bank AG (Ok, bei einer Bank nichts Außergewöhnliches). Alles, was „die Bank“ jedoch ausgemacht hat, ist nun nicht mehr das ihre. Die Deutsche Bank AG bleibt sie trotzdem.

Lange Rede, kurzer Sinn: Die Firma meint im landläufigen Sinne regelmäßig die Gesellschaft und sollte auch als solche bzw. allein mit ihrer Firma ohne den Zusatz „Firma“ benannt werden.

Sagen Sie also (nehmen wir einmal die Konkurrenz, um dem Verdacht der Schleichwerbung zu entgehen): „Die Commerzbank AG hat…“ und nicht „Die Firma Commerzbank (AG) hat…„.

Übrigens, um den Bogen zu spannen: Die Vorschrift des § 17 Abs. 1 HGB ist deswegen so verfasst, wie wir sie kennengelernt haben, weil der (Einzel-)Kaufmann eben nicht unter dem Namen seiner natürlichen Person auftreten muss. Erwin Müller kann also mit seinem Handelsgewerbe als „Der keine Frau suchende Bauer e.K.“ auftreten.

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Christian Küchler
Über Christian Küchler

Christian Küchler ist Gründer der Ernsten Allgemeinen Zeitung und momentan alleiniger Betreiber. Kontakt: Webseite | Weitere Artikel

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